September 2006

12. September Ja 5 Monate in China und die Zeit verging ziemlich schnell. Ein Viertel meiner Zeit hier schon vorbei und langsam, ganz langsam hab ich das Gefühl ein bisschen hier zuhause zu sein. Ich hab meine Wohnung, in der ich mich inzwischen pudelwohl fühle und ich der schon 3 Kochsessions statt gefunden haben. Natürlich ist die Arbeit derzeit ziemlich hektisch und ich hatte den Sommer über kaum Zeit auch mal an den Strand zu gehen aber insgesamt muss ich sagen, seitdem meine Eltern hier waren ging es stetig bergauf. Auch wenns stressig ist, die Leute im Office sind superlieb, der Zusammenhalt ist sehr vie stärker als in  Deutschland und auch die Person steht im Vordergrund. Kaum schaut man mal ein bisschen schläfrig aus, bekommt man von überall Ratschläge oder Tees...man fasst sich an die Schulter und hat in den nächsten 5 Minuten einen Massagetermin. Es macht Spass, den Leutchen was beizubringen und ihnen Sachen zu erklären, erinner mich wieder zurück an die Zeit als Internetlehrerin. Es ist toll jemanden etwas beibringen zu können. Ich hab mein Fitnessstudio wo ich Dampf ablassen kann. Die Verbindung nach Deutschland ist nicht bagerissen und ich liebe es einfach, mit meinen Freunden und meiner Familie zu telefonieren, klar ist das nicht so gut wie dort zu sein aber es klappt irgendwie. Natürlich vermisse ich mein altes Leben manchmal sehr aber es wird besser, immerhin hab ich seit Wochen keinen einsamen DVD Abend mehr veranstaltet...beste Freunde werde ich wohl nie finden aber es gibt Leute mit denen ich über die Probleme als 27 jährige diskutieren kann, ich habe jemanden mit dem ich Einkaufen gehen kann und so weiter....an alle, die sich also Sorgen gemacht haben, dass ich hier versaure...ich lebe noch!
10. September Gaehn, endlich schlafen aber irgendwie klappt das mal wieder nicht wie gewuenscht....nach einem Arbeitssamstag mal zu Decathlon und Klamotten fuer den Urlaub kaufen, sind naemlich nur noch 10 Tage. Dann mit Maggie treffen, die hat sich naemlich ein neues Auto gekauft... sie kam auch aber ohne Auto. Das war nach einem Tag schon in der Werkstatt...wundert mich überhaupt nicht. 

Dazu kurz ein Exkurs zum Fahren auf chinesische Art. Fahrschule besteht darin, den Fahrleher mit Zigaretten und Essen dazu zu bringen, die Stundenzahl zu reduzieren. Gefahren wird wenns gut geht niemals auf der Strasse sondern auf abgesperrten Parcours. Das führt dazu, dass die Leute mit frischem Führerschein schlichtweg nicht fahren können. Schalten ist der Horror und überfordert einige völlig. Bremsen ist auch nicht wirklich was, das dem Autofahrer gefällt. Blinken tut man grundsätzlich nicht, dafür hupt man permanent. Sobald das Auto mal rollt wird ausgekuppelt, wieso hab ich leider nicht in Erfahrung bringen können. Genausowenig wie den Grund, wieso ein Auto in China niemals mehr als 2000 Umdrehungen sehen wird...ich hab ständig darauf gewartet, dass der Motor absäuft und war mir bislang nicht darüber im Klaren, dass man auch im 3. Gang anfahren kann. Sobald man einen Berg oder Hügel sieht übrigens schnell hochschalten, man könnte ja sonst den Motor überfordern. Und drank denken, immer bei 40 in den 5. Gang wechseln! 

Bin aber an diesem Tag dann auch selbst am Steuer gesessen und habe meine ersten Kilometer in Qingdao runtergespult. Erstens hatte ich keine Angst, der Blinker am Auto funktioniert und war nicht eingerostet, ich bin sicher samt Mitfahrern angekommen und es war ein verdammt gutes Gefühl! Ausserdem hab ich bewiesen, dass man nicht auskuppeln muss und der Motor bei 4000 Umdrehungen nicht explodiert. Ach und ich hab mit ne neue Digicam gekauft...auch das war ein Abenteuer, das Ding musste nämlich erst schnell English lernen.

4. September Jippie endlich mal wieder nach Shanghai - aufstehen um 5 und mit dem ersten Flieger ab zum Lieferanten und am naechsten Morgen wieder zurueck. Leider war die Firma nicht in Shanghai sondern in Wuxi, so dass wir an diesem Tag ca. 2.5h pro Strecke im Auto verbracht haben. Am Abend in unser Stammrestaurant Eat Drink Man Woman (leckere Fruchtshakes) und ich hatte eigentlich schon damit abgeschlossen, zum Friseur zu gehen. DAzu aber erst die Vorgeschichte. Seit 4 Monaten wuchern meine Haare und sind insgesamt ein bisschen mitgenommen und sehen einfach furchtbar aus. In Deutschland wuerd ich halt mal schnell nen Termin beim Friseur machen...hier koennte ich einfach nur hingehen ABER ich habe Locken und ich habe europaeische Haare, keine chineisschen Schweinsborsten. Also beschloss ich, das Risiko zu minimieren und in Shanghai zu gehen, da gibts es mehr Langnasen und sogar so bekannte Salons wie Tony und Guy. Tja leider wurd das nichts, weil wir zu spaet ins Hotel kamen aber ich hab mich dann mal schnell dazu entschlossen zum Hotelfriseur zu gehen. Der machte eigentlich auch einen ganz vertrauenswuerdigen Eindruck....schnipp schnapp fertig. Der Kerl hat sich fast nicht getraut meine Haare zu schneiden, jedes Haar wurde einzeln inspiziert und am Anfang dacht ich mir, das sieht so schlecht ne aus. Einmal Haare waschen spaeter weiss ich, dass er mir halt nen Standardschnitt fuer glatte chinesische Haare verpasst hat...leichter Topfdeckel (in Kombination mit Naturlocken absolut schrecklich) und mein Hinterkopf noch platter aussieht als vor dem Schneiden. Egal, immerhin sind die kaputten Spitzen weg und man kanns angucken...schwaebisch gedacht: Kostete nur 15 Euro!
3. September Aufstehen und ab in die Laoshan Berge, der Ausflug der Deutschen steht an. Zusammen mit einigen Kollegen fuhren wir in die Natur, hilfe alles gruen und auch noch saubere Lut. Musste erst mal kraeftig husten als ich die abgasarme Luft geatmet hab...sollte ich anfangen mir Sorgen zu machen? Mit der Bergbahn ging es erst mal ein paar Hoehenmeter rauf, geniale Aussicht und ich muss sagen, dass mich die Formen der Felsen immer wieder begeistern, sieht aus als haette jemand jeden einzelnen abgeschliffen und wieder hingelegt, dann noch ein paar Pflanzen gesetzt und wuerde regelmaessig giessen. Von der Bergstation ging es dann zu Fuss (und einmal mit Traegern) eineige Stufen zu einem daoistischen Tempel, hab zum ersten Mal einen der Moenche gesehen und musste gleich an die chinesischen KungFu Filme denken. Spitzbart, blaue Klamotten und einen Dutt auf dem Kopf, hab nur drauf gewartet, dass es ‚wuuuusch’ macht wenn er die Hand bewegt. Da wir ein bisschen Wandertag geplant hatten ging es zu Fuss wieder nach unten, dauerte ca. 2h und war nicht wirklich wie man sich wandern vorstellt, es gab naemlich jede Menge Treppen und wer die Strecke von unten nach oben laeuft kann locker beim Treppen Marathon im Empire State Building mitmachen. Hab es total genossen mal keinen Krach um mich herum zu haben und vor allem endlich mal Zeit zu haben.

Nach der kurzen Bergtour ging es zu einem der alten Tempel in den Laoshan Bergen. Endlich mal ein bisschen Kultur und aeltere Gebaeude als die Hochhaueser in der Stadt! Der Tempel an sich ist normalerweilse total ueberlaufen aber absolut sehenswert - ueber 600 Jahre alte Anlagen in den Huegel gebaut, verwinkelte Innehoefe und jede Menge Weihrauch. Anschliessend gabs ein bisschen Action - wir sind Motorboot gefahren und haben uns ans Ostende der Laoshan Berge fahren lassen. Der Spass war eine Strapaze fuer die Knochen und einige von uns wurden ziemlich nass, Spass hatten wir dabei jede Menge. Der Tag war aber damit noch nicht beendet, zum Ausklingen lassen ging es an den Strand, wo wirs uns zwischen den Muellbergenn ein gemuetliches Plaetzchen gesucht haben. Sonne, Meeresrauschen und Muscheln sammeln - es kam fast wieder einmal Urlaubsstimmung auf!

Noch 17 Tage bis zum Urlaub.

2. September

Kochsession Nummer 3 war fuer heute angesagt aber erst mal musste ich ausschlafen und meine House Fee bezahlen. Hilfe, ich hab wieder fuer einen menschenauflauf gesorgt. Bin ins verwaltungsoffice gegangen und hab brav meine Appartmentnummer genannt, da war ich also alleine mit dem Verwaltungsmenschen. Ca. 5 Minuten spaeter kamen die ersten neugierigen Nachbarn und nach 10 Minuten (so lange dauert es, um ne Quittung zu schreiben) wurde ich von meinen Mitbewohnern interviewt, nein ich bin keine Enlischlehrerin, ja meiner Pflanze gehts gut (die sieht man scheinbar von der Strasse aus), meine Eltern sind wieder in Deutschland, ja ich arbeite ganz normal, ja ich sollte samstags nicht auch noch arbeiten, ja manchmal komme ich spaet wieder heim....aber irgendwie war die Inqusition ganz nett! Danach noch schnell einkaufen und ein bisschen aufraeumen, die Bude wird voll!

Naja voller als gedacht, irgendwie warens diesmal ueber 18 Leute und einige mussten mit dem Boden vorlieb nehmen, ich hab ja nur 2 Stuehle, 2 Hocker und ein Sofa. Die Kids haben sich auf den Tatami Matten ausgetobt und in der Kueche war die Hoelle los. Es gab Shrimps mit Tomate, Muscheln, Kartoffelpuerree mit Rosinen und Banane, gaaaaaaanz viele Jiazo, Sushi, Apfelkuchen, Windbeutel, Chili con Carne und Bananenkuchen. Das ganze war auf jeden Fall wieder ein voller Erfolg, Wiederholung im Oktober mit Session Nummer 4!