Juni 2008

22.6.

Nach 12 Stunden komatösem Schlaf und einigem Gurgeln mit dieser merkwürdigen pissefarbenen aber zum Glück geschmackslosen Lösung liege ich um 8 Uhr morgens auf meinem Sofa und versuche meinen inneren Schweinehund dazu zu überreden, ins Krankenhaus zu fahren um die nächste Dosis Needle abzuholen. Der Schweinehund hat ziemlich gute Argumente (ach brauchen wir nicht, wir haben doch noch Tabletten, die verstehen uns doch eh net, ich will absolut gar nicht…) kommt aber am Ende nicht gegen die immer noch ziemlich dicken Mandeln an. Also schleppe ich meinen Kadaver zum Auto und fahr wieder durch die Stadt zum Municipal Hospital aber diesmal leider nicht in den 4. Stock – die haben zu! Also stapf ich in die Notaufnahme, wo grade wie bei Emergency Room 3 Leute aus der Tür springen. Die Plastiklappen schwingen noch als sie in Erwartung einer Katastrophe die Tür des Krankenwagens aufreißen und Ihnen der anscheinend nicht wirklich Schwerverletze entgegenkommt und schimpfend davonläuft. Na das kann ja heiter werden, wird’s denn auch. An der Rezeption gucken wir nach einer Ewigkeit irgendwann mal verschlafene Augen und totales Unverständnis entgegen – der einzig mitdenkende Mensch war leider nicht der Arzt, der aussah wie George Clooney (den ich persönlich gar nicht so dolle find!) sondern der Putzmann! Der zeigte mir dann nämlich den Weg zum Central Injection Room und war total begeistert von der Tatsache, dass ich eine Deutsche bin. Das hat er schon nach 5 Sekunden nämlich sofort erkannt, ein supernetter Kerl.

 

Also Central Injection Room stelle man sich vor wie einen Kinosaal, nur sind statt kuschliger Beleuchtung Neonröhren an der Decke und statt der teilweise ja schon recht bequemen Kinositze gibt’s leicht klapprige Stühle mit so nem Infusionsständer recht davon. Der Kinosaal war zu Dreiviertel gefüllt und nachdem sich eine der Krankenschwestern der doofen Ausländerin angenommen hatte gings los. Erst mal 40 Cent im 2. Stock zahlen, damit ich überhaupt gestochen werden. Ab zurück in den ersten Stock und anstellen. Einer nach dem andern sitzt vor einem Schalter, streckt seine Hand durch, kriegt die Infusion gesetzt und dann den Beutel in die Hand gedrückt. Fehlt nur noch die Suche nach einem freien Platz und fertig – 1.5h später ist man wieder vollgepumpt mit dem Zeug und schlappt mit dem leeren Beutel wieder zum Schalter zurück, kriegt die Nadel rausgezogen drückt noch a bissle auf die Einstichstelle und schlappt wieder nach Hause. Eine wunderbare Art und Weise seinen Vormittag zu verbringen, ABER ich war tapfer und wer drückt mit jetzt nen Lolli in die Hand? Keiner…..groß sein ist doof!

21.6.

I get the needle

Jaja ich hab also 2 Jahre und 2 Monate durchgehalten ohne eine Needle meine insgesamt gut und gerne 10 Mandelentzündungen und sonstigen Sachen zu überleben und heute war es endlich soweit – keine Ausreden mehr, jetzt wird mein Blut mit Antibiotika geflutet! Mein Hals war seit Dienstag auf interessante Ausmaße angeschwollen und trotz Selbstmedikation wildester Art (rein in die chinesische Apotheke und einfach alles kaufen, was gegen Halsschmerzen helfen soll) wurde es beim besten Willen nicht wirklich besser. Also entschloss ich mich nach einer durchschwitzen Nacht einen Termin in der International Clinic zu machen. Zum Glück hatte ich ein Auto fürs Wochenende und genug Zeit, schon allein dran zu kommen hat wieder mal über eine halbe Stunde gebraucht. Wie die letzten beiden Male durfte ich gleich zu Frau HNO, ist fast wie nach Hause kommen ich kenn die Schwestern und Frau Doktor erinnerte sich auch schon an mich. Tja und deswegen konnte ich der Needle diesmal nicht mehr entkommen, weils nämlich in meinem Hals ‚Hen lihai‘ aussah und das verhieß schon mal gar nichts Gutes. Mit einem riesigen Rezeptzettel wackelten wir dann zur Medikamentenausgabe, wo mich fast der Schlag traf: 40 Euro für Medikamente und das in China!!! Mit 2 Stoffbeuteln voll Drogen (jaja auch hier gibt’s keine Plastiktüten mehr) dann wieder zurück in den vierten Stock (man braucht ja Bewegung und schwitzt nicht schon so genug) und ich bekam ein Bett zugewiesen. Für jemanden der eine grundsätzliche Abneigung gegen Krankkenhäuser hat und zumindest seitdem ich mich erinnern kann nicht mehr in einem Krankkenhaus war außer um jemanden zu besuchen und auch dann schnellstens wieder zu verschwinden also Höchststrafe. Mein Zimmergenosse war ca. 5 Jahre alt und hatte ein Faible für den chinesischen Kinderkanal, war aber glücklicherweise fertig als ich noch auf meinen Drogenbeutel gewartet habe. Also schnell umschalten auf CCTV9 bevor dann auch schon die Folterschwester mit der gesamten Infusions-Ausrüstung kommt. Und dann gings los, Nadel rein in die Vene auf dem Handrücken und mir wurd erst mal nur richtig schlecht – selbst die Konzentration auf die dämlichen Nachrichten vom Fackellauf in Lhasa haben mich nicht sehr von der Tatsache abgelenkt, dass ich mich der chinesischen Standardbehandlung ergeben habe….ich bin wirklich zu lange hier! Die anderthalb Stunden vergingen nicht wirklich schnell, das lag sicherlich auch an der Aussicht auf dieselbe Prozedur am folgenden Tag in der chinesischen Notaufnahme (die international Clinic ist sonntags zu….). Insgesamt wars nicht so schlimm allerdings fang ich grad schon an mir ein wenig Gedanken zu machen, wieso?

Naja ich hab grad meine Drogentasche ausgepackt:

250g Glukose Infusion für morgen

4x0.4g Clindamycin

2 Packungen Lomefloxacin (soll ich noch zusätzlich nehmen)

2 Packungen chinesische Kräutertabletten, die angeblich wie Antibiotika wirken sollen

500ml Furacillin Lösung zum gurgeln

Jaja und ich trinke viel und lieg mal wieder leicht schachmatt auf meinem Sofa aber natürlich erst, nachdem ich noch schnell einkaufen war – sonst verhunger ich auch wenn ich davon ausgehe, dass die Antibiotika nicht nur den bösen Bakterien den Gar aus machen sondern auch allem andern und ich mal wieder die nächsten Wochen magenkrank sein werde.

17.6.

Und genau wie vor einem Jahr fängt mein Hals mal wieder an zu kratzen und zwar über Nacht! Nervig weil ich dann nicht ins Fitnessstudio gehen kann und vor allem, weil ich schon dachte dass das nicht von alleine besser werden würde. Tja die nächsten Tage bis Ende der Woche hab ich noch halbwegs überlebt aber…..

14.6.

Volleyball am Strand

Es ist mal wieder schönes Wetter in Qingdao und da bietet es sich ja an, am Strand mal wieder das neue Profinetz auszupacken und auch wenn’s windet wie Sau einige Runden zu spielen. Danke gutem Sonnenschutz gabs diesmal keinen Sonnenbrand dafür aber leckeren Käsekuchen und interessante Unterhaltung dank der olympischen Kitesurfer, die die Brise ausnutzen und über die Wellen sprangen. Sah ziemlich verlockend aus, aber sicherlich nicht ganz einfach!

 

Wie immer gabs einige Zuschauer, die unbedingt mehr oder weniger heimlich einige Fotos von uns schießen mussten, aber auch 2 Chinesen die wir spontan zum Mitspielen eingeladen haben. Irritierend waren die zwei Damen, die sich einfach bei uns mit dazu setzten, mitten auf die Handtücher und natürlich unter den Sonnenschirm, das führte selbst bei unserer chinesischen Bekannten nur zu Schulterzucken – TIC this is China, sonst noch Fragen?

 

Nach der Befreiung von Sand und Sonnencreme unter der Dusche ab zu Cassani, lecker italienisches Abendessen in gemütlicher Runde und danach noch ein Absacker in der Q-Bar – das war ein perfekter Qingdao-Tag!

 

8.6.

Es ist mal wieder ein chinesischer Feiertag – das Dragon Boat Festival!

Traditionellerweise isst man zu dem Anlass Zongzi und genau die durften wir mittags bei einem Event für Expats in Sunshine Grill selber basteln. Anfangs eine recht zähe Sache, so richtig Stimmung kam nicht auf. Allerdings wurde es mit der Zeit immer besser, vor allem als die deutsche Assembly Line für Zongzi installiert war – komplett mit Arbeitsvorbereitung, Assemblierung und Endverpackung. Die anschließende Diskussion mit den anwesenden Chinesen welche Blätter man denn eigentlich zum Zongzi Wickeln benutzt war recht ergebnislos – die einen meinten Bananenblätter, andere Schilfblätter und wieder andere Bambusblätter. Unsere selbst gemachten wurde im Dampfkochtopf 20 Minuten schnellgekocht und schmeckten nicht wirklich umwerfend gut  - viel besser waren die schon vom Chef Stunden vorher angesetzten Zongzi mit viel mehr Geschmack.

 

Hier ein Rezept

1. 20 Bambus oder Schilfblätter, über Nacht in Wasser eingelegt
2. Klebreis ca. 1 kg

3. Chinesische Datteln ca. 250g

4. Schnur, über Nacht in Wasser eingelegt

 

Den Reis 12 Stunden in Wasser einlegen bis er richtig aufgeweicht ist. Die Blätter abwaschen und abtropfen lassen. Das Blatt in der Hand halten und in der Mitte falten, so dass eine Tasche entsteht. In diese Tasche etwas Reis füllen dann einige Datteln drauf und mit Reis abdecken. Die Tasche mit gekonntem Origami schließen und mit einem Faden fest umwickeln. Je dichter die Blätter gefaltet und verschnürt sind desto mehr Geschmack bleibt im Innern. Die Zongzi 2h in einem normalen Kochtopf kochen order 40 Minuten im Schnellkochtopf.

1.6.

Wieder allein
Meine Eltern sind heute in Richtung Hongkong geflogen und ich bin mit dem Auto unterwegs um mich abzulenken. Was macht man da generell? Genau, man geht einkaufen! Also bin ich nach Taidong und hab bei meiner Schneiderin schon mal den ersten Großauftrag platziert, damit ich bis Ende September meinen Kleiderschrank auch richtig auf Vordermann bringen kann ohne wie in Deutschland Hartz 4 beantragen zu müssen. Bei Frau Schneiderin wars wieder ziemlich voll – nach der langen Warterei hab ich mir dann gleich mal einen Pearl Milk Tea gegönnt und dem Treiben in Taidong zugeschaut – wer sagt die Königsstraße in Stuttgart sei samstags voll soll mal hierher kommen! Danach ab zu Jusco, ein bisschen arbeiten aber vor allem einkaufen. Und da fiel mir wieder ein, dass ab dem 1. Juni in Qingdao (der Vorreiterstadt in China) Plastiktüten nicht mehr umsonst sind! Hilfe, woher bekomm ich denn jetzt meine Mülltüten? Die lieben Leute an den andern Kassen hatten leicht verwirrte Gesichtszüge, als sie feststellen mussten dass eine große Einkaufstüte sage und schreibe umgerechnet 5 Cent kostet.

Komisch wieder alleine in der Wohnung zu sein, deswegen hab ich ab Abend auch fleißig und viel telefoniert!