April 2006

30.4. Neuer Tag neues Glück und hoffentlich Wohnungsübergabe. Gegen 10 tauchte meine Vermieterin im Büro auf, es wurde laut und scheinbar bekam sie ihr Geld wieder einmal nicht. Meine Laue sank gegen Gefrierpunkt, ich hab jeden Moment damit gerechnet, dass sie geht und nie wieder kommt und ich dann ohne Wohnung rumsitze. Gott sei Dank hat die Frau aber Nerven aus Stahl und um 11 war Übergabe der Wohnung. Die Möbel waren schon da und dank großem Sofa sah das Wohnzimmer schon halb bewohnbar aus. Allerdings gabs dann noch ein paar Überraschungen. China ist im Vergleich zu Deutschland was Strom, Wasser etc. angeht ein wenig anders. Also, bevor irgendwas aus den Steckdosen kommt muss man mit einem Strombüchle zur Bank gehen und bezahlen. Wieviel konnte mir keiner sagen, so dass es passieren kann, dass mein Strom abgestellt wird wenn ich zu wenig einzahle. Dasselbe passiert beim Gas, wobei ich da noch nicht mal weiß, wo ich hinmuss. Wasser muss bei der Property Office bezahlt werden, die war aber geschlossen. TV ist nicht angeschlossen, muss man beantragen, wo weiß ich nicht. Leicht angefressen und mit nem omischen Gefühl im Magen als wieder ins Office und warten. Um 4 kam meine Vermieterin dann wieder und bekam, oh Wunder, ihr Geld und ich die Schlüssel. Jetzt hab ich also eine Wohnung in die ich nicht einziehen kann, weil ich keinen Strom, kein Wasser und kein Gas habe. DSL tut auch noch net, muss ebenfalls beantragt werden und ich lebe noch eine Woche im Hotel. Eigentlich will ich nur noch irendwohin, wo ich sagen kann ich bin "zuhause". Bin nur so froh, dass meine Vermieterin so ne Nette ist und sich von alldem nicht hat abschrecken lassen. Jetzt muss ich mich also wieder in Geduld üben und erst mal warten, hoffe dass ich am Dienstag mit Joy ein paar Sachen erledigen kann. Der Trip nach XiAn ist für mich gestorben, ich hab nämlich Halsweh und will hier auf keinen Fall krank werden. Musste heute noch 3mal betonen, dass ich nicht ins Krankenhaus muss, alles nur das nicht, nicht mal wenn ich kurr vorm Blinddarmdurchbruch wäre. Positive Nachricht, ich habe ein Bankkonto  und eine Karte, mit der ich was abheben kann. Es ist sogar Geld drauf, ABER ich kenne die Kontonummer nicht und mein initiales Passwort für die Karte kann ich am englischsprachigen Automaten nicht ändern. Also muss ich an den Schalter. Werde mir mal ein bisschen was zusammenkramen oder es mal am Bankautomaten der ABC (Agricultural Bank of China) Bank testen. Hoffe nur ich kriegs hin.

Mach mir heute einen faulen Abend im Hotel, guck fern und versuche mich zu entspannen. Vielleicht kann ich ja mal vernünftig schlafen und irgendwann mal wieder lachen.

29.4. Möbel kaufen!!!! Ich treffe zum ersten Mal meine Vermieterin persönlich und stelle fest, dass Century 21, die mir die Wohnung vermittelt haben, nicht mit zum Einkaufen gehen und ich jemanden brauche, der dolmetscht - Joy konnte zum Glück vom Büro schnell her kommen um mir zu helfen. Völlig furstriert sass ich dann im Auto,  mit dem Gefühl nichts selber machen zu können. Dazu kam noch, dass die Firma mit mit der Organisation besser gesagt dem zahlen der Miete nicht wirklich geholfen hat. Ich hab ja immer noch kein Konto und ich muss 6 Monate MIete im voraus zahlen - leider will die Vermieterin Cash und ich kann mit der Visa nur pro Tag 150€ abheben. Entgegen der allgemeinen Meinung ist die Miete hier keineswegs billig, sondern auf deutschem Niveau. 

Das Einkaufen an sich war ziemlich gut, Vermieterin und ich haben denselben Geschmack und bis auf die chinesischen Matratzen (ein Brett ist dagegen weich) und ein paar chinesischen "Twists" sind die Sachen ziemlich klasse. Vor alle mein Sofa wird gut, wenns denn so aussieht wie es aussehen soll. TIC (this is China) und nur weil man was raussucht, heißt es ja nicht, dass es nicht anders geliefert wird. Das beste am ganzen, die Sachen werden morgen geliefert!!!! Natürlich haben wir auch noch einen Blick in die Wohnung geworfen und wow, das Teil ich wirklich riesig und mein Fernseher ist gigantisch! Fast 180 hoch, genauso wie mein Kühlschrank. Leider hat der gute Geschmack bei den Lampen aufgehört....äh ja....was soll ich sagen...die sind sehr "konleuchterig" und "holzig"...uaaaaaaaaah aber gut was solls! Die Wände waren irgendwann auch mal noch ganz und seitdem die Klimaanlage installiert ist wurden dann die weißen Löcher mit brauner Schmiere abgedichtet. TIC!

Im Büro hab ich dann auch nochmal vorbeigeschaut und mein Chef Zachary (Chinese) hat mich eingeladen, während der Maifeiertage mit ihm und seiner Frau nach XiAn zu fahren...einfach so und das ist so lieb und vermutlich genau, was ich brauche. Ablenkung, was anderes sehen und nicht im Hotelzimmer hocken. Auf der anderen Seite würde ich mich so gerne einfach nur einigeln und mich bemitleiden und rausfinden, wieso ich eigentlich hier bin. 

Am Abend sass ich eine Weile am Meer, da hab ich dann die Tränen laufen lassen und auch jetzt beim Schreiben fühl ich mich total miserabel. Ein Teil von mir fehlt und ich habe das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein, nicht da zu sein, wo ich Menschen habe, die ich liebe und die mich lieben. Ich habe Angst, dass es nicht besser wird und ich weiß nicht, wieviel Kraft ich noch habe. Die letzten Wochen haben mich ausgelaugt und bevor ich nach China geflogen bin hatte ich nicht mal mehr die Kraft meine Gefühle zu zeigen. 

bis zum 28.4. Arbeiten in Südchina - abends skypen - eine Massage und so viel zu tun, dass wenig Zeit zum Nachdenken bleibt.
24.4. Der erste Tag im Büro verläuft relativ ruhig und ist auch nicht allzu lang. Es sind ziemlich viele neue Gesichter da und der Container ist als Übergangslösung zwar ganz ok aber sau heiß. Die Riesenbaustelle immer im Blickfeld sitzt man also in eine Sardinenbüchste gequetscht an viel zu kleinen Schreibtischen. Wenigstens hat mein Laptop funktioniert. Das was am Vormittag aber auch das einzig positive. Ich habe zwei Hiobsbotschaften bekommen, die meine Laune ziemlich runtergezogen haben
1) Meine Resident Card braucht bis Ende Mai, d.h. ich muss bis Ende Mai auf meinen Container warten, da ich ohne Resident Card nicht durch den Zoll komme. Dasselbe gilt auch für meine Luftfracht mit 20kg Klamotten und meinen heißgeliebten Inline Skates - bleibt also nur der eine Koffer, mit dessen Inhalt ich nen Monat überleben musste. Ist eigentlich auch kein Problem, allerdings hatte ich anders geplant und darum nicht wirklich viel Klamotten eingepackt.
2) Meine Wohnung dauert noch, die Vermieterin kann frühestens am nächsten Samstag mit mir Möbel kaufen.

Naja und dass ich Sa und So arbeiten muss um die Maiwoche frei zu haben (in China offiziell nur 1.2.3. Mai frei) - viel zu viel Zeit um nachzudenken und Heimweh zu haben.

Mittags gabs dann das erste Mittagessen auf Chinesisch, zum Glück konnte ich die zwei Fischköpfe gut unterm Reis verstecken. Abends hab ich dann meinen deutschen Kollegen und seine Familie zum Einkaufen begleitet und wir haben uns ein Möbelgeschäft angeschaut. Da hab ich dann Hoffnung geschöpft, dass es abgesehen von chinesischen Möbeln in dunkel, gold und hässlich durchaus auch was anderes gibt.

22. / 23.  An Schlaf ist nicht zu denken - Jetlag und Gedankenkarrussel sorgen dafür. Also Telefon ist nicht, zu teuer, Handy tut zwar aber naja, ist ja eigentlich ein Gschäftshandy, bleibt das Internet. Dank einem Tipp von Holm hab ich mir gleich mal Skype runtergeladen und meine Webcam ausgekramt. Dann noch schnell Geld aufbuchen und Skype Out testen. Es tuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuut und Michis Stimme tut so verdammt gut. Dann hab ich noch meinen Eltern angerufen und danach konnt ich zumindest mal 3 Stunden schlafen. Der Sonntag war dann gut, Headset kaufen (mensch ist das hier billig) und ein Handyladekabel suchen.....was sich für ein altbackenedes Handy als ziemlich schwierig rausstellt. Danach war ich bei einem deutschen Kollegen und seiner Familie zum Abendessen und habs genossen, Brot zu essen, Tee zu trinken und Deutsch zu reden. 

Im Hotel hab ich dann festgestellt, dass man mir das falsche Ladekabel mitgegeben hat - Mist.

22.4. Ankunft in China und Weiterflug von Peking nach Qingdao - ja ich bin in China und wo ist der Flieger nach Deutschland. Der erste gute Moment war, als ich Joy (meine Kollegin) am Flughafen gesehen habe und endlich mal wieder was reden konnte. 12 Stunden "Water, please" ist auch nicht wirklich aufbauend. Als ich im Auto dann noch ne chinesische SIM Karte für mein Handy bekommen habe war kurz mal alles gut. Immerhin war ich somit auch von Deutschland aus erreichbar. Am abend gabs dann ein grosses Baustellenfest und ich sass da, allein mitten unter ganz vielen Leuten und mir war nur zum weinen. Alles haben Familie, Freunde nur ich sitze da - wieder ein Moment, in dem ich dachte es kann nicht schlimmer werden und meine Entscheidung war falsch.
21.4. Abflugtag, der schlimmste überhaupt, ich dachte es würde mich vor lauter Schmerz zerreissen, dazu gabs noch Stau und ich konnte meinen Koffer nicht schon in Stuttgart aufgeben. Ich musste mich von meinem Freund Michi verabschieden, ohne zu wissen wann ich ihn wiedersehe. Selbst jetzt, wenn ich mich dran erinnere muss ich weinen und würd gern das nächste Flugzeug nehmen und wieder nach hause gehen. Im ICE nach Frankfurt wars noch schlimmer, mit jedem Kilometer wurde es realer und ich war einfach nur noch erschöpft,als ich am Flughafen ankam. Dort hab ich dann den Check In Schalter nicht sofort gefunden aber dank meinem Engel des Tages (aka Manu) bin ich nicht ganz ausgeflippt. Den Flug hab ich gar nicht richtig mitbekommen, ich war so mit Grüblen und traurig und wütend sein beschäftigt. Warum tu ich das, wieso gehe ich wo ich doch alles habe, ist es egoistisch, was setze ich aufs Spiel und wie soll das weiterehen. Wie soll ich das überleben, wenn ich schon am ersten Tag vor Abschiedsschmerz fast vor die Hunde gehe.