März 2008

 29.3.

Guck Dir meinen Bauch an!

Fuer diesen Tag gabs ziemlich viele Plaene, zuerst mal ab nach Taidong  und danach mit unserer Praktikantin, deren Freundin und einer Freundin der Freundin unserer Praktikantin und noch meiner Nachfolgerin aus Deutschland Sightseeing in Qingdao. Leider war das Wetter nicht wirklich otpimal, es troepfelte und war dank schneidendem Wind ziemlich kalt. In Taidong angekommen, gabs erst mal Pearl Milk Tea (ich hab mich wirklich daran satt getrunken....) und dann gings zur Schneiderin. Die war mal wieder total ueberladen mit Arbeit und die Kunden standen Schlange. Ich mach mir langsam ernsthaft Gedanken, die Schneiderin zu wechseln immerhin muss man ja auch die Kapazitaeten im Auge behalten – sonst hat das Einfluss auf die Anliefertermine (gesprochen wir eine echte Disponentin, immerhin erzaehl ich Euch nichts ueber SAP Sachstammdaten auch wenn ich darueber ein Buch schreiben koennte). Das echte Erlebnis kam dann aber, als ich Julia unbedingt das Highlight der Schneiderriege zeigen wollte: Die Unterwaeschetante mit den BH Einlagen vom Winter Ball (erinnert Ihr Euch? Wenn nicht schnell Tagebuch Dezember lesen). Diesmal hat sich die Dame selbst Ihren „mit oder ohne Nippel“ Spruch eindeutig geschlagen. Als wir einen vorsichtigen Blick auf die mit tausend Knoepfen ausgestatteten Korsetts und BH’s meterweit vom Laden warfen kam sie angerannt. Spruch dieses Tages war: „Guckt Euch meinen Bauch an“ natuerlich auf Chinesisch nur mein Hirn wollte nicht recht begreifen wieso die Frau das sagt....wurde aber schnell klar. Schwupps verschwand sie hinter einem Vorhang, zog sich die Hose runter und den Pulli hoch und zeigte uns doof guckenden Langnasen ihren Bauch, als waers das normalste der Welt mitten im Laden mal schnell den Bauch auszupacken um der Kundschaft was vorzufuehren. Die Vorfuehrung war allerdings damit nicht erledigt, denn sie packte weiter aus und befreite sich durch flinkes Aufknoepfen der vielen Verschlussknoepfe im Schritt vom Korsett und zogs nach oben mit dem Spruch: „Und jetzt guckt Euch mal meinen echten Bauch an!“. Aeh ja, das Korsett macht seinem Namen alle Ehre und ja der Effekt ist nicht zu verachten ABER: Muss man das sehen?!? Traumatisiert und Kopf schuettelnd raus aus dem Haus, zurueck zum Auto und ab zur Sightseeing Tour.

 

Abends zur Abschiedsfeier unserer Praktikantin mit anschließender Fußmassage, manchmal kann China auch richtig Spaß machen!

24.3.

Ostermontag und kein Feiertag in China


Einer der absoluten Nachteile in China zu arbeiten ist der Mangel an Feiertagen – gut man putzt Gräber als Feiertag oder hat Drachenbootfest aber so ein Ostermontag ohne meinen Milka Schmunzelhasen ist ziemlich doof. Am Gründonnerstag hab ich meine Oma und meinen Cousinchen vermisst, die haben traditionellerweise Maultaschen gemacht wie die Wilden und wie im letzten Jahr war ich nicht mit dabei. Zur Feier des Tages gab es dann abends nach der Arbeit eine Schüssel Jiaozi, chinesische Maultaschen sind besser als gar keine!

 

Das Highlight des Ostermontags war ein selbstgebasteltes Osterei, das ich als Geschenk von einer chinesischen Kollegin bekommen habe. Das war eigentlich nur ein als Schwein dekoriertes hartgekochtes Ei aber die Geste selber war das Süßeste überhaupt! Meinen Mädels im Büro hab ich aus der Metro Schokoosterhasen mitgebracht, die waren weder lecker noch sonstwas aber die einzigen, die ich finden konnte.

 

23.3.

Ausflug im Regen

Wie immer ein toller Sonntag, der mit einem Besuch bei der Schneiderin in Taidong endet. Dumm nur, dass die mal wieder nicht fertig war. Draußen schüttet es wie aus Kübeln und aus dem Ausflug mit Gisela in die Laoshan Berge wird vorerst mal eher nichts. Schlechtes Wetter, Taidong also was macht man? Genau, auf ins Bier Museum weils da trocken ist und weil es zum Standardprogramm Qingdao absolut dazugehört. Ich find das betrunkene Zimmer immer wieder klasse, das Bier kann man für mich gerne weglassen und dafür dann mehr von den Erdnüssen ausgeben. Aber eine absolute Sauerei ist, dass es keine Qingdao Biergläser mehr gibt! Die muss man jetzt KAUFEN! Ich hasse Olympia, alles wird umgegraben und es gibt nichts mehr umsonst.

 

Zum Glück war das Wetter aber inzwischen ein wenig besser geworden und so fuhren zum Shilaoren Tourist Area – da war ich selber nämlich auch noch nie. Nachdem wir an einem Gebäude das Auto parkten, das aussah wie ein riesiger Tempel mussten wir feststellen, dass wir irgendwie falsch waren. Der Tempel war ein Megarestaurant und nur durch ein wenig spazieren gehen fanden wir den Hintereingang fürs Tourist Area. Je weiter man sich den Berg hochschleppt, desto besser und interessanter wird’s. Das Areal ist ziemlich groß und zieht sich über Brücken und in den Berg gebauten Stufen bis zum Gipfel – den wir natürlich hochsteigen mussten. Da wir keine wirkliche Lust hatten, den selben Weg wieder zurückzulaufen stapften wir quer durch die chinesische Pampa einen Trampelpfad herunter – und das zumindest bei mir in Stiefeln mit Absatz. Der Absatz fiel irgendwann mal auseinander, waren aber meine einzigen wasserdichten Schuhe und funktionierten bei langsamem Bergabrutschen auch so einwandfrei.

 

Nach der anstrengenden 2h Wanderung dann ab zum SPR am Shilaoren und erst mal gemütlich einen Kaffee trinken und tratschen – danach ab zu Jusco einkaufen und ab nach Hause. Schöner Tag!

22.3.

Dr. Gou ist weg – statt dessen steht im Behandlungsraum so ein kleines putziges Wesen namens Dr. Chen. Er kommt aus Shenzhen und ist mit seiner Aussprache nicht viel besser zu verstehen als Dr. Gou – der ist auf einmal unauffindbar. Der gute Dr. Chen ist allerdings auch nur klein wenn man in anschaut, wenn er anfaengt zu massieren entwickelt er sich zum absoluten Hulk. Mit ihm hab ich dann die Diskussion was denn jetzt Schmerz ist ‚teng’ und was ‚bu shufu’ einfach ein unangenehmes Gefuehl. Auch mein ‚hao teng’ guter Schmerz wenn ich weiss, dass ich nach der Stunde wenigstens ein bisschen was wieder eingerenkt kriege, kann er net nachvollziehen. Das ist doch alles nur ‚bu shufu’ und ich geb mich geschlagen, geniesse die Massage, geniesse das Einrenken und anschliessend die Waermelampe.

 

Ach ja, was soll ich zu meinem Tor denn eigentlich noch sagen?!? Nachdem es angeschraubt umgebaut und auf eine andere Seite verlegt wurde, nachdem man Karten brauchte um raus und reinzukommen jetzt eine neue Episode. Das Tor ist zwar da aber leider bleibt es auf halber Höhe hängen, was zu Hupkonzerten an der Pforte führt und den ein oder andern Nachbarn in den Wahnsinn treibt. Ich hab inzwischen einen genialen Parkplatz hinterm TV Center gefunden und der hat keine Schranke und kostet nichts, ist grade mal 5 Minuten zu Fuß weg und trägt sehr zu meinem Seelenheil bei.

Die weiße Karte braucht man inzwischen nicht mehr, außer man will rein oder raus fahren und erwischt die 5 Minuten am Tag an dem der Kartenscanner funktioniert.

Ach und die Fußgängerschranke ist jetzt Tag und Nacht geöffnet, es gibt kein Rolltor mehr und somit sollte ich also 24h Zugang zu meiner Wohnung haben ohne jemanden aufwecken oder klettern zu müssen. Ich bin so gespannt, was passiert denn wohl diese Woche noch?

16.3.

Nach langem hin und her hab ich mich entschlosen doch mal das neue Bellaire Medical Center auszuprobieren, diesmal vor allem weil schon eine Kollegin den Test zuvor gewagt hat und lebendig wieder raus kam. Wer kann schon von sich behaupten von einem chinesischen Chiropraktiker eingerenkt worden zu sein, dessen website ihn als Dr. Spine anpreist. Also ab zum Arzt mit der Erwartung, dass das ja so lange nicht dauern kann. Denkste! Erst mal kam ich Dr. Gou, der mich mit gestrengen Augen erst mal unter die Lupe nahm und meinte ich sei aber jung fuer solche Rueckenprobleme und dass WIR das schon wieder hinkriegen. Bei der Kommunikation mit dem schwer nuschelnden aelteren Herren half die fleissige Krankenschwester. Mit der ging dann auch gleich zum Municipal Hospital zum Roentgen, denn das so Dr. Gou muss jetzt erst mal sein. Gesagt getan, nach nur 45 Minuten warten in der Schlange war ein Roentgenraum frei und ich bekam meine Strahlendosis fuer die naechsten Zeit auch gleich ab – auch wenn ich die Aufschrift Made in Germany 2007 auf dem Roentgengeraet etwas beruhigend fand. 10 Aufnahmen spaeter waren wir nach 2h wieder bei Dr. Gou der nur murmelte „hen lihai“ was frei uebersetzt heisst „ach du jemine“. Gut, ich konnte das nach einem Blick auf die Bilder nachvollziehen, weil meine Knochen echt ziemlich kreuz und quer rumstanden und der Platz zwischen den Wirbeln nicht wirklich normal gross war. Dann gings mit ‚hen lihai’ auf die Folterbank. Der gute Dr. Gou hat absolute Eisenfinger und versuchte mir vermutlich zu zeigen, dass die normalen Schmerzen ja lachhaft sind, er knetete wie ein Irrer und mir blieb manchmal leicht die Luft weg. Am Ende der Prozedur war ich sage und schreibe 3cm groesser und einer Erfahrung reicher. Danke Dr. Gou und bis zum naechsten Mal in einer Woche.

 15.3.

Kuchen backen fuer Anfaenger oder ich werde Filmstar

Cooking Session Kuchen fuer Anfaenger die erste. Eingeladen warn nur 4 Kolleginnen und Freunde damit sie selber testen koennen wir man denn nun einen Kuchen hinkriegt. Als allererste Lektion stand ein Ruehrkuchen auf dem Programm. Nachdem nur eine einzige Kollegin einen Ofen gekauft hatte, fingen wir mit einem Einkauf fuer die Zutaten im Carrefour an. Vor allem die eingekauften Mengen Zucker und Butter haben die lieben Leute ziemlich geschockt (aber dann mit nem 4l Kanister Erdnussoel bei mir zum Kochen anruecken und nicht mal die Haelfte bleibt uebrig....). Vollbepackt gings mit dem neuen Polo einer Kollegin im Zuckeltempo Richtung Wohnung, was bei der vorsichtigen Fahrweise des frisch gebackenen Fuehrerschein- und Autobesitzters wirklich unendlich lange dauerte. Nach spontanen Stopps beim Bauern am Strassenrand (lang lebe die freie Marktwirtschaft) und bei einem Klamottenladen, dessen Schaufenster wohl wirklich auf Chinesinnen sehr anziehend wirken muss, kamen wir bei mir zuhause an.

Dann gings los – und ich wurde gefilmt, wer braucht schon Kochen mit Kerner wenn er Backen mit Anja hat. Was ist ein Backofen, welches Equipment braucht man und was zum Henker heisst Schlecker auf Englisch?!? Ich kenn ja nicht mal den korrekten deutschen Begriff! Erstaunlich nur, dass die Kuchen wirklich gut wurden – auch wenn wieder beim vielen Fett und Zucker grosser Protest von den Chinesen kam....jaja....ich weiss, very unhealthy aber wenn ihr die fettigen, ausgebackenen und frittierten Sachen irgendwo kauft stoerts keinen. .

9.3.

Golfen für Anfänger

Über irgendwelche Connections hat es endlich mal geklappt, auf einem der Golfplätze in Qingdao zum ersten Mal den Golfschläger zu schwingen. Unter Anleitung eines mehr oder weniger dubiosen Expats, der pro Tag 4h Golf spielt und eindeutig auf Blonde Damen unter 30 abfährt versuchten wir also auf der Driving Range an unserem Schlag zu feilen und uns nicht gegenseitig irgendwelche Bälle um die Ohren zu schlagen. Ich musste wieder mal feststellen, dass Gold im Fernsehen viel zu einfach aussieht und in Wirklichkeit einfach frustrierend schwierig ist ABER auch Spaß macht! Bis zur Platzreife hat es in unseren 2h Golferei nicht gereicht, dafür hatten alle ziemlich viel Spaß dran und vielleicht klappts ja vor September nochmal – wobei…immerhin hat es 2 Jahre gedauert das erste Mal zu spielen!